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Reinhold Schneider

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Reinhold Schneider

Leben

Herkunft und Jugend

Reinhold Schneider war Sohn von Wilhelm Schneider und dessen Frau Luise Wilhelmina Augusta, geb. Messmer. Die Eltern führten das renommierte Hotel Messmer, in dem das deutsche Kaiserpaar Augusta und Wilhelm I. jahrzehntelang während seiner regelmäßigen Aufenthalte in Baden wohnte.

Von 1912 bis 1921 besuchte Reinhold Schneider die Baden-Badener Oberrealschule, das heutige Markgraf-Ludwig-Gymnasium. Während dieser Zeit zerfiel das Deutsche Kaiserreich und wütete der Erste Weltkrieg, was nicht nur Auswirkungen auf das ganze Land hatte, sondern auch speziell die Familie Reinhold Schneiders traf. Das Hotel Messmer sah sich unüberwindlichen finanziellen Schwierigkeiten gegenüber und musste schließen. Die Mutter verließ die Familie, und kurz nach Reinhold Schneiders 19. Geburtstag erschoss sich sein Vater. Reinhold Schneider versuchte ebenfalls, jedoch erfolglos, seinem Leben ein Ende zu setzen. Nach dem Selbstmordversuch schöpfte Schneider neuen Lebensmut durch die Freundschaft mit Anna Maria Baumgarten (1881–1960), die zur „Gefährtin seines Lebens“ wurde.

Von der Weimarer Republik bis 1945

Nach einer kaufmännischen Ausbildung und insgesamt sieben Jahren Beschäftigung bei Stengel & Co. in Dresden wurde Schneider im Jahre 1928 als freier Schriftsteller in Berlin und Potsdam tätig. Dort erlebte er das Ende der Weimarer Republik und den Beginn der Zeit des Nationalsozialismus. Er setzte sich intensiv mit diesem totalitären Regime auseinander und schrieb dagegen an, z. B. mit dem Gedicht Nun baut der Wahn. Die erste literarische Schaffensperiode, die 1930 einsetzt, war geprägt von der Auseinandersetzung mit der Geschichte und insbesondere mit historischen Gestalten der Iberischen Halbinsel, wobei eine starke Nähe zur literarisch-weltanschaulichen Erneuerungsbewegung des Renouveau catholique erkennbar ist.

Durch die Doppelpatenschaft der Großeltern Kaiser Wilhelms II. zu Mutter und Patentante Reinhold Schneiders wurde er wiederholt nach Haus Doorn, dem Exil des ehemaligen deutschen Kaisers, eingeladen.

1938 kam er nach Freiburg im Breisgau. Hier wurde er Mitglied des konservativ-katholischen „Freiburger Kreises“ um den Publizisten Karl Färber. Im selben Jahr erschien seine kritische Szenenfolge Las Casas vor Karl V., in welcher Unterdrückung, Rassenwahn und falsch verstandene Religiosität angeprangert werden. Letztlich wurden Reinhold Schneiders Werke verboten – wie die vieler anderer Autoren der „Inneren Emigration“. Mutige Verleger wie Karl Borromäus Glock veröffentlichten sie dennoch. Im Zweiten Weltkrieg wurden vor allem seine Sonette gegen Größenwahn und Krieg heimlich von Hand zu Hand gereicht, die ebenso wie seine anderen Schriften im Alsatia-Verlag im elsässischen Colmar erschienen. Dort war das Druckpapier leichter zu beschaffen. Obwohl Schneiders Name wiederholt auf der Liste unerwünschter Autoren stand, konnte Las Casas noch bis 1943 erscheinen. Trotz des endgültigen Schreibverbots 1941 erschien 1944 eine Broschüre unter dem Titel Das Gottesreich in der Zeit. Sonette und Aufsätze. Auch für die von Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg herausgegebene Zeitschrift Weiße Blätter. Zeitschrift für Geschichte, Tradition und Staat konnte er weiterhin regelmäßig Artikel schreiben.

Im Frühjahr 1944 durchsuchte die Gestapo seine Freiburger Wohnung. Schneider versteckte sich und tauchte zuletzt in einem evangelischen Stift unter. Eine Anklage wegen Hochverrats vom April 1945 kam wegen des Zusammenbruchs des Nationalsozialismus nicht mehr zur Verhandlung.

Mit seinem Sonett Der Turm des Freiburger Münsters setzte Schneider diesem ein literarisches Denkmal. Es enthält u.a. die Zeile „Du wirst nicht fallen, mein geliebter Turm.“ Bemerkenswert dazu ist, dass Schneider es Monate vor dem Bombenangriff verfasst hat, bei dem der Turm kaum beschädigt wurde.

Die Nachkriegszeit

Unter dem Eindruck des zu einer Trümmerwüste gewordenen Deutschlands und „dem Geheimnis unserer abgründigen Schuld“ befasste er sich 1946 in Die Heimkehr des deutschen Geistes mit der Frage, wie es zu dieser Katastrophe hatte kommen können: „Wer in Wahrhaftigkeit den Stromlauf [der Geschichte] erforscht, wird die Entdeckung machen, daß der Strom keinen Damm durchbrochen hat, den der Geist nicht zuvor schon durchwühlte und kein Felsentor sprengte ohne die Sprengkraft des Geistes“.

Die Verantwortung für den historischen Dammbruch sah er in den Werken deutscher Philosophen wie Gotthold Ephraim Lessing, der etwa die Auffassung vertrat, dass es besser sei, wenn man sein Leben lang bei der Suche nach der Wahrheit fehlgeht, als wenn man der Wahrheit teilhaftig würde. Diese These lässt sich laut Schneider nur dann ernsthaft vertreten, wenn man in Jesus nicht den Erlöser, sondern nur „einen Lehrer“ sieht. In ähnlicher Weise untersuchte Schneider auch „das Bild Christi“ anderer Vertreter des deutschen Idealismus (Kant, Fichte, Hegel, Schelling und Nietzsche) und prüfte so im Sinne von 1 Joh 4,1–3 EU „den deutschen Geist“, mit dem Ziel, diesen Geist „von sich selbst“ zu erlösen.

In den darauf folgenden Jahren erlebte Schneider eine Zeit vielfacher Ehrungen und großer Anerkennung; er galt als „Gewissen der Nation“. 1948 erhielt er anlässlich des 100. Todestags Annette von Droste-Hülshoffs den Gedenkpreis der Badischen Landesregierung (zusammen mit Gertrud von Le Fort). 1949 wurde er in die Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz sowie in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung aufgenommen. 1952 wurde er auf Vorschlag des Bundespräsidenten Theodor Heuss zum Ritter des Ordens „Pour le mérite“, Friedensklasse, ernannt. 1952 wurde er in die Bayerische Akademie der Schönen Künste und 1955 in die Berliner Akademie der Künste aufgenommen. Als sich die Bundesrepublik Deutschland formiert hatte und die Debatte um die Remilitarisierung begann, widersetzte sich der gläubige Katholik diesem Vorhaben mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Mit Formulierungen wie „aus der ‚Gnade des Unglücks‘ erwächst der Auftrag zum Frieden“ appellierte er an seine Landsleute, nicht unmittelbar nach dem letzten grausamen Krieg schon wieder mit der Aufrüstung zu beginnen, sondern mit friedlichen Mitteln auf die Wiedervereinigung Deutschlands hinzuarbeiten.

Diese Einstellung und seine zahlreichen Friedensaufsätze, die in der KPD nahestehenden Zeitschriften und sogar im Neuen Deutschland erschienen, hatten auf der einen Seite die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels im Jahre 1956 zur Folge, auf der anderen Seite jedoch auch die vollkommene berufliche Isolierung. Seine Arbeit für Zeitungen und Radiosender war nicht mehr gefragt. Nur wenige seiner Mitstreiter aus den Zeiten der „Inneren Emigration“ blieben mit ihm in Kontakt, so vor allem Werner Bergengruen, mit dem ihn bis zuletzt eine tiefe Freundschaft verband. Ansatzweise öffentliche Rehabilitierung erfuhr Schneider postum nach Veröffentlichung des letzten Buchs Winter in Wien.

Dieser zweite Aufenthalt in Wien, das Thema dieses Buches, vom 5. November 1957 bis zum 6. März 1958 diente unter anderem der Begleitung der Vorbereitungen zur Uraufführung von Schneiders Drama Der große Verzicht.

Als 1957 das Hotel Messmer abgerissen wurde, setzte Reinhold Schneider in der autobiographischen Skizze Der Balkon dem Haus und der Kurstadt Baden-Baden ein literarisches Denkmal.

Reinhold Schneider starb an den Folgen eines Sturzes in Freiburg und wurde am 10. April 1958 im Familiengrab Messmer/Schneider auf dem Hauptfriedhof Baden-Baden beigesetzt. Die Grabrede hielt Werner Bergengruen.

Reinhold Schneiders umfangreicher Nachlass, der insbesondere mehrere zehntausend Briefe enthält, befindet sich in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte wurden zudem zahlreiche Nachlässe und Teilsammlungen von Wegbegleitern Schneiders erworben, sodass dort mittlerweile ein umfangreiches Schneider-Archiv entstanden ist.

Rezeption

Reinhold Schneider ist der Namensgeber des Kulturpreises der Stadt Freiburg im Breisgau sowie einer Freiburger Schule. Freiburg ehrt den Dichter auch mit dem Namen einer Straße, ebenso wie seine Geburtsstadt Baden-Baden und die Städte Offenburg, Karlsruhe, Mainz, Köln, Düsseldorf und Osnabrück.

Schneiders ehemaliges Haus in der Mercystraße 2 wurde im Jahr 2009 als Kulturdenkmal eingestuft.

Der Schlussstein des Freiburger Münsters trägt eine Inschrift von Reinhold Schneider, die sich auf die Zerstörung Freiburgs am 27. November 1944 bezieht.

Quelle: Seite „Reinhold Schneider“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 7. Oktober 2016, 18:11 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Reinhold_Schneider&oldid=158555709 (Abgerufen: 1. Dezember 2016, 12:42 UTC)


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